O Jerusalem

Konzert zum Sonntag Trinitatis

Musica Tre Fontane

Renate Kelletat (Berlin) Gesang und Blockflöten
Erdmute Kather
(Hamburg) Gesang, Blockflöten und Cembalo
Donata Dörfel
(Genf) Gesang und Blockflöten

 

O Jerusalem Dieser Ruf an die Stadt, die drei Religionen heilig ist, die in ihrem Namen den Frieden „Salam - Shalom“ und in ihren Mauern Streit, Kampf, Verzweiflung trägt, steht als Motto über unserem Konzert, das die spannungserfüllte Klage O Jerusalem wie auch die Freude Marias und aller Menschen an der kommenden Veränderung umfasst, die im Magnificat, dem Lobgesang der Maria, ihren konzentrierten Ausdruck findet. 

Das religionsübergreifende Thema machen wir deutlich an zwei „oekumenischen“ Hymnen, am Anfang und am Ende des Programms, in denen musikalische und textliche Elemente aus den drei „Buchreligionen“ zusammengeführt werden: Synagogale Gesänge mit christlichen Antiphonen und Texten der islamischen Mystik. 

Der Hymnus von Hildegard von Bingen „O Jerusalem“ und Choralvariationen von van Eyck nehmen das Thema auf.

Der „Gesang der Rohrflöte“ nach einem Gedicht von Rumi, einem persisch-afghanischen Mystiker des 13. Jh., zeigt die Klage der Seele, die von ihrem Ursprung abgeschnitten ist wie das Flötenrohr von seiner Wurzel: die Klage von Menschen aller drei großen Religionen, die sich in der Klage über die Friedlosigkeit in der Stadt des Friedens, Jerusalem, vereinen.

Der Sonntag Trinitatis steht im Zeichen der uns anvertrauten „Gaben“ – die Doppeldeutigkeit des Begriffs „Talent“, wie er bei Luther benutzt wird, hilft hier, die Gleichnissprache zu verstehen: wir dürfen uns nicht mit dem Vorhandenen, immer von der geschichtsgezeugten Ungerechtigkeit und Spannung geprägten, abfinden: wir müssen verändern! Und auch die Geschichte vom Urteil Salomos beim Streit der zwei Frauen über das Kind gehört zu den Lesungen zu Trinitatis. Der zerstörerische Streit zweier Religionen um die Stadt Jerusalem lässt sich im Bild erkennen: wer die Stadt, wer die Menschen liebt, gibt nach, auch wenn er sich seiner Rechtspositionen sicher ist. O Jerusalem…!

Das Programm hierzu spannt sich von der wortgezeugten Gregorianik des Mittelalters über die barocke Farbigkeit (Purcell, Buxtehude, Bach) bis zu rhetorisch ausdrucksstarken Kompositionen der Gegenwart – Vielfalt der Formen, Fülle der Klänge, Wirkung des Spiels der musikalischen Kräfte.