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Magnificat

Aus der Ankündigung des Epiphaniaskonzertes 6.1.2009 in der Hauptkirche St. Katharinen Hamburg:

MAGNIFIKAT
Marienmusiken zu Epiphanias

In der christlichen Tradition ist Weihnachten und insbesondere Epiphanias ohne Maria nicht denkbar. Epiphanias ist das Fest, bei dem die Weihnachtsdekade ihren kraftvollen Abschluss findet in der Anbetung des Kindes durch die Könige/Weisen. Dies scheint, als beginne sich jene Verheißung zu erfüllen, die Maria sang im Lobgesang, der als Magnifikat die christliche Tradition durchzieht: Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhöhet die Niedrigen. Die „Gewaltigen“ (der Politik, der Wissenschaft) beugen sich vor dem Kind, dem Schwachen, dem Schutzbedürftigen. Gewalt hat vielleicht Bestand in der Welt aber keinen Bestand vor Gott, Gewalt kann das Leben nicht tragen, nicht wesentlich machen. Im Magnifikat besingt Maria keine soziale Umwälzung sondern eine Umwertung. Gott nicht als Herr der Geschichte sondern als Herr der Gewichte, mit denen wir in unserem Alltag wägen und werten. Und diese Verheißung wird von einer Frau gesprochen, einer Frau, die durch Gott aus der „Erbfolge“ von Gewalt und Macht herausgelöst ist, die ein Kind gebiert, das eben nicht diese männlichen Macht- und Gewalt-Gene in sich trägt und so die Machtlosigkeit und das Primat der Liebe, der Mitmenschlichkeit verkünden kann. Maria wird damit in der Tradition zur Figur der Wende, weg von der sich stets erneuernden Gewalt hin zur schon im Judentum angelegten Nächstenliebe (Rabbi Hillel, ca.30 vor bis 9 nach Chr). Dies wird auch im Islam erkannt: im Koran, in dem Maria/Miriam in Sure 19 beschrieben wird, als diejenige, die sich dem Willen Gottes unterwirft und einen „reinen Knaben“ gebiert.

Die diesjährige Epiphanias-Musik stellt mehrere Aspekte dieser zentralen Frauengestalt der christlichen Tradition dar in Motetten, in Gregorianischen Gesängen, in frühbarocken Fantasien, in hochbarocken Choralbearbeitungen -- und natürlich in verschiedenen Magnifikat-Vertonungen. Ein Schwerpunkt ist diesmal Musik von Henry Purcell, dessen 350. Geburtstag wir 2009 feiern – so ist das Konzert also auch ein Geburtstagsständchen für den „Orpheus Britannicus“