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Indian Flute
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Anmerkungen zu den Werken

Die meisten Stücke für Ensemble entstanden in Hinblick auf das Hamburger Blockflöten- Ensemble und einige für Musica Tre Fontane. Einige sind mit der inspirierenden experimentierfreudigen Kooperation des Ensembles erst in ihren fertigen Zustand gekommen. Schönste Erinnerungen an intensive Erlebnisse, die wir auf unseren weiten Reisen mit dieser Musik hatten, verbinden sich für uns mit den Stücken, besonders mit Verwandlung in unserer Musica Angelorum und dem Dialog aus dem Ave Maria-Programm.

Alle Programme mit geistlichem Inhalt spielten wir, bevor wir an eine Aufnahme dachten, in Klöstern, in der Gemeinschaft von Ordensleuten, die so konzentrierend hören können.

Petit four spielten wir zum ersten Mal in der Hamburger Musikhalle und Homage à Serocki und La Source im Großen Sendesaal des NDR. Manchmal versuchten wir zu erklären, dass es unmöglich sei, eine vierstimmige Fantasie von Purcell oder auch ein avantgardistisches Stück gut zusammen zu spielen, wenn man nicht ein lupenreines Unisono zustande brächte, aber es geschah immer wieder, dass Zuhörer, wenn wir einen mittelalterlichen Tanz wie Tortorella oder Stella Maris gespielt hatten, fragten, wer von uns an den einstimmigen Stellen denn nun gespielt hätte. Unsere Antwort “alle zusammen” glaubten uns wenige.

Die Vier Lieder auf islamische Texte entstanden für das Konzert zum 80. Geburtstag der Hamburger Bildhauerin und Töpferin Monika Maetzel. Unter dem Eindruck der Ereignisse in Nahost und in den USA haben wir die beiden ersten auch in geistliche Programme übernommen.

Westwind – Ostwind ist eine Ehrung für den am 10. August 1998 tödlich verunglückten Arzt Dr. Manfred Jaschke, Initiator der Arbeitsgemeinschaft Chinesische Medizin in Berlin, der sich um die Verbindung von östlicher und westlicher Medizin unschätzbar verdient gemacht hat.

Die Miniaturen nach den japanischen Haikus erklangen zuerst im Spiegelsaal des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, in einem Konzert, das wir gemeinsam mit dem japanischen Gambenquartett, dem Yukimi Kambe Viol Consort, gaben. An vielen Orten haben wir sie gespielt und die schönen Texte jeweils vor einer Miniatur gesprochen: englisch in den USA, französisch in der Suisse Romande, und in Tokyo haben Japaner eine Rückübersetzung aus dem Deutschen gelesen.

La Fontaine

   Die Komposition für E.B. entstand nach der Begegnung mit der Schweizer Malerin Elisabeth Büchenbacher. Sie folgt der schenkenden Geste einer Quelle, die überschwenglich austeilt: vielfältig und komplex, dabei konkret und einfach. `Füllt die Jahre mit eurer Liebe; werdet einmal reif zur Ernte...und wie die Kinder!´

Tortorella und Stella Maris

   Die beiden Tänze haben die Form mittelalterlicher Estampien.

   Immer wieder die Tortorella, die Taube: aus dem geöffneten Himmel über dem Jordan, über Taufbecken, Kirchenportalen, auf der Piazza San Marco und vor meinem Fenster: Zeichen des Geistes, Friedensbotin, Gejagte.

   Über den tosenden Wellen des Meeres, dem Sausen des Windes mitten im Dunkel das Funkeln des Stella Maris, des “Meersterns” – es gibt Orientierung für die in den Fluten Fahrenden, sammelt alle Verstreuten wieder ein.

Verwandlung

   Jenseits des Spiels der Rollen von Name, Form und Eigensinn geschieht Verwandlung. Loslassen wird möglich. Die Grenzen werden umgeschmolzen. Leib, Seele und Geist erwachen in einer neuen Gestalt.

Missus Gabriel des coelis / Resurrexi .

   Diese gregorianischen Gesänge sind einer Sammlung von ungarischen Handschriften entnommen, die von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurde. In deren Vorwort finden sich u.a. folgende Sätze, die uns ermutigten, die Gesänge auf diese Weise zu gestalten. “Die Schwerpunkte der Melodie sowie die Zusammengehörigkeit der Töne werden nicht durch grobe Akzente oder durch dynamische Wirkungen hervorgehoben sondern durch eine freibehandelte Agogik und Empfindlichkeit für Zeitunterschiede und Abwarten, ohne die Beständigkeit der gestaltenden Energie zu gefährden. Im 14. und 15. Jh. ertönte der gregorianische Gesang bereits oft mit mehrstimmigen Sätzen abwechselnd. Die mehrstimmigen Gesänge erklangen aber notwendigerweise in gregorianischer Umgebung nie in einem Zug. Beiden kommt auch heute noch der Kontrast zum anderen zustatten. Das Gregorianische wird das Grundmaterial sein, worein sich hier und da als besondere Zierde ein eingefügter mehrstimmiger Satz mischt.” Bei uns besteht die “besondere Zierde” nicht nur in mehrstimmigen Einfügungen sondern auch in den einstimmigen “Ornamentationen”. Gregorianik von Frauenstimmen gesungen hat eine bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition; man denke an die zahlreichen Frauenklöster, in denen die Gregorianik auch ihren festen Platz hatte.

Unendliche Stille

   Die vier Miniaturen zu japanischen Haikus in der Nachdichtung von Manfred Hausmann sind nach der ersten Japantournee des HBE 1991 —noch ganz unter dem Eindruck des Erlebten— entstanden. Wir hatten uns beim alten Meister Suzuki im Bann seiner konzentrierten Stille aufgehalten, hatten mit Ryohei Hirose den Vollmond durch Bambus und Kirschblüten betrachtet und hatten in Tempeln und im Theater einen Umgang mit der Zeit kennengelernt, der sich von dem unseren so sehr unterscheidet. Die Vertonungen malen die Atmosphäre der Haikus wie mit dem Strich eines Pinsels.

Hommage à Serocki

   Kazimierz Serocki gehört zu den Komponisten unserer Zeit, die Wesentliches beigetragen haben zur Entwicklung des modernen Blockflötenspiels. Gern spielten wir seine Kompositionen, auch in Konzerten, bis Veranstalter vermehrt an uns herantraten mit der Bitte, auf “geschützte” Werke zu verzichten, weil dies wegen der hohen Gebühren für sie zu teuer werde. Um den geschätzen Namen und den zukunftsweisenden Kompositionsstil aber dennoch in unsere Programme nehmen zu können, schreib ich zwei “Ehrungen” für Serocki, Hommage I und Hommage II à Serocki, von denen auf dieser Aufnahme die zweite zu hören ist. Es werden hierin seine Techniken in seinem Sinne eingesetzt, so entsteht eine Musik ähnlich seinen “Improvisationen” (Hommage I) und seinen “Arrangements” (Hommage II), beide Hommages wurden in den 80-er Jahren im NDR uraufgeführt.

Trio Grazioso

   Geschrieben für meine damals 15-jährige Schülerin Daniela war Trio Grazioso zuerst ein avantgardistisches Solostück. Die Dreistimmigkeit wurde durch Akkorde hervorgebracht. Als meine Begeisterung für die sogenannte Avantgarde nachließ, machte ich aus dem Solo eine dreistimmige Fassung.

Petit Four

   Eine Süßigkeit, Petit Four, wurde serviert zum Gedenken an den 100. Geburtstag des Komponisten und Musikwissenschaftlers Hans Gal, der uns kurz vor seinem Tode wunderbare Kommentare zu unserem Spiel gegeben hatte. Die filigranartigen Arpeggien würden sich wohl eignen, auf dem Klavier gespielt zu werden, von einem Spieler; reizvoll ist, sie von vier miteinander vertrauten Flötisten im Ensemble zu hören. Keine Linie, die nicht in unmerklichen Übergängen von Instrument zu Instrument weitergegeben würde. “Hohe Schule des Ensemblespiels überzeugend dargeboten” schrieb ein Kritiker nach der Uraufführung 1990.

La Source

   In der kleinen dunklen Kapelle des Klarissenklosters La Grant Part, gelegen oberhalb von Vevey/Schweiz, tropft das Wasser einer Quelle in ein Steinbecken. Unterschiedliche Tonhöhen, unregelmäßige Tonfolgen mischen sich mit dem Gesang der Ordensschwestern und den Geräuschen der Umgebung, z.B. dem Läuten der Glocken des buddhistischen Tempels auf dem Mont Pélérin. Es bleibt dem, der sich in die Stille dieses Raumes begibt, überlassen, sich vorzustellen, wie das Wasser, diese bescheidene aber beständige Lebensquelle, anwächst zu einem Strom und wie dadurch das, was an einem solchen geheiligten Ort gelebt wird, in die Welt fließt und was dies bewirkt. In der Kapelle verbleibt das stete Tropfen.

Westwind / Ostwind

   Wind auf der Oberfläche des Wassers, läßt bald Gekräusel, bald Wellen entstehen oder gibt den Blick in klare Tiefen frei, offenbart Vergangenes und Zukünftiges, überbrückt, verbindet und eint, singt sein Lied - und zieht weiter.

Dialog

   Im Dialog öffnen sich die Begrenzungen für Botschaften des Gegenüber. Das Ich steht in Frage, angelegt aufs Werden aus dem Du. Im Dialog bleibt nichts wie es war. Quantitäten machen sich den Raum streitig - Qualitäten ergänzen einander.

Frage

   Wiederbegegnung mit einem Freund nach Jahrzehnten. Hinter dem Ruf der gregorianischen Melodie zu Beginn erheben sich Fragen und Ahnungen, Klagen und Seufzer. `Nun bist Du wieder da. Doch mein Leben ist geworden ohne Dich. Was – wären wir nicht auseinandergegangen?´ Die Wiederbegegnung wird zur Herausforderung: den Kernschatten des Glücks mit Licht zu füllen; den Text des Gelebten neu zu buchstabieren.

Vier Lieder nach islamischen Texten

   Den Text der von Annemarie Schimmel übersetzten muslimischen Gedichte zeichnen die vier Bicinien mit musikalischen Mitteln nach: die demütige Geste der Rundbögen und das “schweigende Zu-Gott-Aufsteigen” der Kuppeln der Tempel, das Geheimnis der “Stadt, die der ganzen Menschheit ein Herz war”, den Gesang der Nachtigall, das Glitzern der Tautropfen, das Tropfen der Tränen.

Nachhall

   Was bleibt von der Musik, wenn der letzte Ton verklungen ist? Was geschieht mit dem Gesang, den die Steine von Kirchen und Tempeln über Jahrhunderte hin in sich aufnehmen? Wo endet das Lied des Windes?

Indian Flute

   Eine Psalmmelodie --vernommen in der Schweizer Communauté de Grandchamp-- taucht wieder auf beim Betrachten des Flöte spielenden Krishna. Eine Miniatur von Brahmananda steht schon lange auf unserer Fensterbank und begleitet das tägliche Üben und Unterrichten. Was spielt dieser indische Meister? In der Begegnung mit der kleinen Krishna-Gestalt löst sich die gelassene Statik der gregorianischen Melodie in fließende Bewegung, beginnt sich zu drehen, erhebt sich tanzend ... und bleibt zugleich in der steten Anwesenheit der gregorianischen Melodieelemente geerdet.

 

Dank an eine Freundin

Diese CD wäre nicht entstanden ohne das hartnäckige Drängen der Malerin Tatiana Ahlers-Hestermann (1919 – 2000), die bis zu ihrem Tode jedes unserer Hamburger Konzerte besuchte und auch so manches im Hamburger Umland und immer wieder mahnte, ich solle doch einmal eine CD mit meinen Kompositionen zusammenstellen.

Tortorella

1990

 

La Fontaine
   für E.B. zur Vernissage November 2001
   in Zürich

2001

Verwandlung

1991

Hommage à Serocki

1989

Trio Grazioso

1992

Petit Four

1990

 

Stella Maris

1993

La Source

1989

Westwind – Ostwind

1998

 

Missus Gabriel de coelis

1999

 

Dialog

1994

Frage
   an und für einen Freund

1998

 

Vier Lieder nach islamischen Texten   

1997

   Der Schöpfung Nachhall     

 

   Es ist diese Stadt

 

 

   Rose und Nachtigall

 

 

   Tautropfen sind’s nicht

 

Nachhall

2001

 

Vier Miniaturen zu japanischen Haikus   

1991

   Zeit

 

 

   Geräusche in der Stille

 

   Bambusflöte

 

 

   Unendliche Stille

 

Indian Flute
   für Brahmananda zur Vernissage
   Herbst 1992 in Locarno

1992