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Zum Programm:

IMG_2936 klein„Wir sahen seine Herrlichkeit, die ihm, dem Sohn, vom Vater verliehen ist.“ Joh.1,14 Das Wort für diesen Sonntag weist auf die Menschwerdung Gottes. Das Programm zeigt uns mit Vokalem, mit Blockflöten- und mit Cembaloklängen den Weg von einer verborgenen Vorbereitung im Leben Einzelner bis zum Offenbarwerden der Gottesgegenwart „für alle“. Die Texte und Klänge sprechen von der Ankündigung und der Geburt, von den himmlischen Begleitklängen der Geburt. Die Vertreter anderer Kulturen, die „Weisen“, nehmen die Friedensbotschaft von Weihnachten auf und tragen sie in ihre Welt. Es entsteht eine die engen religiösen Traditionen sprengende und die Kulturgrenzen übergreifende Ökumene des Friedens. Im Konzert wird dieses Geschehen umspielt, begleitet von Chorälen zu Advent, Weihnachten und Epiphanias.
Da ist die geheimnisvolle jüdische Tradition des Offenbarwerdens Gottes am Sinai, beschrieben in einem Text von Francine Carillo nach Exodus 3.4, der die erst in der Retrospektive begriffene Urbegegnung des Menschen mit Gott beschreibt. Das entstehende DU lässt das ganze Leben zum Dialog werden.
Das „Wort des Schöpfers“ stiftet zunächst die Ordnung von Raum und Zeit, weist Licht und Dunkel ihren Wirkungsbereich und weckt Leben. Mit Christus wird dieses „kreative Wort“ zum konkreten Gegenüber: das Leben kann sich entfalten, die Verheißung des Anfangs findet Erfüllung, so formuliert es die reformierte Theologin und Dichterin Lytta Basset in ihrer „Parole des Origines“.
Islamische Dichtung kommt zu Wort in einer Fantasie über einen Text des persischen Mystikers Fakhr-al-Din Iraqi, 13.Jh. Die Liebe ist ihm – ganz in der Sufi-Tradition – die wichtigste Form der menschlichen Beziehung. Ein Text des Brahmanensohns Tagore, nimmt das christlich-universelle Liebesgebot in einem wunderbar-musikalischen Bild auf: Von der Liebe bewegt werden Stimme, Leib und Seele des Menschen zum Instrument göttlichen Geistes, der alles zum Klingen bringt, Leben und Tod umfängt. Die Friedenssehnsucht ist universell, wie auch die Friedensbotschaft der Bibel, die Botschaft der Feindesliebe. All diese Texte erklingen in Vertonungen von Renate Kelletat.
Der „Hymnus“ Pax Hominibus erklang erstmals im letzten Epiphaniaskonzert: Er greift den Gesang der Engel über den Feldern um Bethlehem auf: „…und Friede auf Erden allen Menschen, da Gott sie liebt!“. Der Forderung an Gott zum Rächen, zum Vernichten von Feinden (Psalm 143) wird das „Ich aber sage euch“ der Botschaft Jesu gegenübergestellt: Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen. Diese Form der Menschenliebe ist auch dem Islam eigen: keiner ist gläubig, ehe er seinen Bruder nicht liebt wie sich selbst. Der die Zitate aus den drei Buchreligionen rahmende Gesang der Hildegard von Bingen lädt dazu ein, gemeinsam als „Geschöpfe des Wortes“ von dem Einen, dem Hirten der Seelen, Befreiung und Erfüllung zu empfangen.
Die weihnachtliche Freude spiegeln Kompositionen barocker Meister wie Merula, Buxtehude, Walther, Bach u.a. und „Divisions“, deren wiederkehrende Bassfiguren Erdmute Kather am Cembalo mit immer neuen Ideen improvisierend ausdeutet.

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Lehre mich tun nach deinem Wohlgefallen, denn du bist mein Gott; dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn. HERR, erquicke mich um deines Namens willen; führe mich aus der Not um deiner Gerechtigkeit willen, und vernichte meine Feinde um deiner Güte willen und bringe alle um, die meine Seele ängsten; denn ich bin dein Knecht. Ps. 143 10-12

Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebet eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. … Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Luk 6 10ff.

Der Prophet Mohamed spricht: “Keiner von euch ist gläubig, eh er seinen Bruder nicht liebt, so wie er sich selber liebt.”  Hadith-Sammlung des al-Buchari

O Pastor animarum, et o prima vox perquam omnes creati sumus et nunc tibi placeat ut digneris nos librare de miseriis et languoribus nostris. (O Hirte der Seelen, und o erste Stimme durch die wir alle geschaffen wurde, befreie uns jetzt, wenn es Dir gefällt, aus unserer Not und unseren Wünschen)  Hildegard von Bingen

Unter deinem Wort haben Welten beginnen können
Jetzt gehst Du neben uns her in den Wogen des Tages
Wir sprechen miteinander; Du brichst uns das Brot
als ob nichts geschehen wäre –
nichts uns trennt; Du bleibst
Du – in uns               Sr. Christamaria Schröter
 

Es bleibt Gottes Name dir stets verhüllt
als Frage, als Wort, das die Stille erfüllt.
Was Laut geworden verbirgt IHN nur,
doch dass du sprichst ist schon eine Spur.
Auf einmal ein mutiges "Ich bin da!"
sagt zur gewes'nen Begegnung: Ja!
... und sie kehrt wieder, immerzu,
so wird das Geheimnis dir zum DU.   

 Donata Dörfel, nach Francine Carillo „Da bin ich!“ – Exodus 3,4

Lass Deine Liebe auf meiner Stimme wie auf einer Harfe spielen
und in meinem Schweigen ruh’n. 
Lass sie mir Herz und Adern durchströmen,
 dass jede meiner Bewegungen von Dir zeuge.
Lass mein Leben Deine Liebe in sich tragen wie die Harfe ihre Musik,
bis ich beides vereint Dir zurückgebe.                       Tagore 1861 - 1941
 

Die Liebe stimmt ein Lied verborgen an:
Wo ist der Liebende, der’s hören kann?
In jedem Hauch singt sie ein neues Lied, 
In jedem Nu ein andres Stück sodann,
Die ganze Welt ist Echo ihres Sangs -- 
Wann hörte je solch langes Echo man?
Und ihr Geheimnis ist weltweit bekannt
Wann wär’ ein Echo wohl verschwiegen, wann?…
Sie spricht zu mir im Schweigenden und dann im Redenden,
Mit Augenzeichen Äugeln und der Braue Kräuseln auch
Und weißt du, was sie mir ins Ohr sagt? 
Ich bin Liebe, deren Ort nicht im Kosmos sichtbar ist:…
Da ich in der ganzen Welt
Alles bin, was immer sei,
Kommt es, dass etwas gleich mir
in der Welt nicht sichtbar ist!

Fakhr al-dīn Ibrahīm ‘Irāqī (1213 – 1289)