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Das Figurenwesen
[Das Figurenwesen] [Monteverdis Erbe] [Verzierungen in der Barockmusik]

Aus den Ankündigungen:

   Ein Redner, der eine Information vermitteln aber auch bei seinem Hörer etwas bewegen will, ihn überzeugen, amüsieren, rühren, aufregen oder beschwichtigen will, kann sich verschiedenster Ausdrucksweisen bedienen, die seiner Rede einen bestimmten Reiz verleihen; diese kann man als Figuren bezeichnen.

   In der "Klangrede" werden Figuren zum gleichen Zweck eingesetzt. Voraussetzung dafür, daß man sie hörend und interpretierend genießen kann, ist, daß man sie wahrnimmt – und dazu muß man sie kennen.

   Wie die Rhetorik (der Sprache), so fasste die Musik unter dem Begriff “Figur" verschiedenartigste Gebilde zusammen, die zum größten Teil den sprachlich-rhetorischen "Redensarten" entsprechen. Wie die rhetorische Figur hat auch die musikalische die Eigenschaft, vor der einfachen Ausdrucksweise abzuweichen und die Komposition bzw. die Rede zu schmücken, das Gesagte verständlich zu machen und zu verstärken. Die rhetorischen Figuren sind mehr als bloße Zierrate, sie haben (nach Gottsched) die zweifache Aufgabe: den Affekt darzustellen und Affekte zu erregen.

   Behandelt werden die rhetorischen Figuren:

   Abruptio – Bruch, Abbruch
   Anadiplosis – Verdoppelung
   Anaphora / Repetitio– Wiederholung
   Antithesis, Antitheton – Gegensatz
   Aposiopesis – Auslassung
   Contrarium – Gegenteil, Gegensatz
   Contrapositum – Gegenüberstellung
   Contentio – Vergleich
   Distributio – Zergliederung, Aufteilung
   Dubitatio – Zweifel
   Ellipsis – Auslassung
   Interrogatio – Frage
   Metalepsis – Übernahme
   Parenthesis – Eingeschobenes
   Suspensio – Aufhalten
   Syncopatio / Ligatura – Zusammenschlagen