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Alles Leben ist Begegnung

Aufbauend auf dem großen positiven Hörerecho auf das Programm O JERUSALEM wird derzeit (Herbst 2012) ein neues Programm zum Thema ALLES LEBEN IST BEGEGNUNG vorbereitet.
Nachstehend Auszüge aus der Ankündigung des gleichnamigen Konzertes 2006:

Aus der Ankündigung des Konzertes am Sonntag Rogate 2006 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem:

Alles Leben ist Begegnung
Musik am Sonntag Rogate
Musica Tre Fontane
Renate Kelletat  Erdmute Kather   Donata Dörfel

Der Satz „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ findet sich bei Martin Buber in „Ich und Du“(1923). Begegnung – ein Grundthema des Sonntag ROGATE (=betet!) wird in diesem Konzert zum Thema von Texten und Musik: im Gebet begegnet der Mensch Gott. Texte, die diese Begegnung beschreiben schenkten uns Mystiker wie Hildegard von Bingen und auch der Sufi-Dichter aus dem Ägypten des 13. Jh. Ibn Ata’Allah. Aber auch die jüdischen Hasanut-Gesänge des Mittelalters atmen diese Begegnung des Menschen mit der Größe Gottes. Im Programm wird diese Begegnung durch eine Begegnung der Kulturen in einer Vertonung von Renate Kelletat verdeutlicht: der Text des islamischen Mystikers (in einer Übersetzung der bis zu ihrem Tode für die Begegnung der Kulturen werbenden Annemarie Schimmel) wird verwoben mit der mittelalterlichen Melodie und dem Text des jüdischen Hasanuth-Gesangs aus dem Marokko um das Jahr 700 – die Begegnung von Zeiten und Kulturen wird aufgenommen in der Begegnung von Singstimme, Sprechstimme und Blockflöte. Das Leben als liebevolle, verantwortliche Begegnung – Bubers Vorstellung ist aktuell in einer Zeit der Abschottung, der Mauern. Der späte Buber verweigerte sich einer Vereinnahmung für Trennendes und wirkte für eine arabisch-jüdische Verständigung, er steht damit in einer Traditionslinie mit Niemöller, der sich auch dem Hass und dem Rassismus verweigerte, in der Kirchengemeinde in Berlin-Dahlem.

Die Musik spannt einen weiten historischen Rahmen und erlaubt uns so Begegnungen mit sehr unterschiedlichen Stilen und Affekten: von Hildegard von Bingen (12. Jh.) über Machaut (14.Jh.) und Dufay (15.Jh.) über Bassano und Castro (16.Jh.) und den virtuos-strahlenden Klängen frühbarocker Canzonen und Fantasien des 17. Jh. (Merula, Tomkins, Gibbons) zum 17./18.Jh. mit den tiefgründigen Choralbearbeitungen von Großmeistern protestantischer Kirchenmusik wie Pachelbel, Buxtehude und Wilhelm Friedemann Bach und der opulenten barocken Farbigkeit der 1705 erschienenen Follia-Variationen von Vivaldi. Auch unsere Zeit ist vertreten mit Kompositionen von Renate Kelletat, einem Tanz (1990) in mittelalterlichem Gewand und der schon genannten Vertonung von 2005 eines islamischen Textes, wobei die Instrumentalstimme immer wieder Melodie-Elemente eines jüdischen Hasanuth-Hymnus aufnimmt. Betont wird das Gemeinsame der drei großen Religionen aus dem Erbe Abrahams.